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02.08.2007

itz/Reuters/dpa/dpa-AFX



IKB-KRISE

Deutsche Bank erkannte die Gefahr - und handelte

An der Börse bleibt die Angst: Die Aktie der Krisenbank IKB ist trotz einer milliardenschweren Rettungsaktion erneut dramatisch eingebrochen. Finanzkreisen zufolge hat die Deutsche Bank die Risiken bei dem Mittelstandsfinanzierer früher erkannt als andere - und ihm prompt eine Kreditlinie gekündigt.

Hamburg/Frankfurt am Main - Axel Weber tat sein Bestes, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Die Angst vor eine Bankenkrise in Deutschland, ließ der Bundesbankpräsident mitteilen, entbehre "jeder Grundlage". Die Probleme der Mittelstandbank IKB seien nicht allgemeiner Natur, sondern lediglich solche der IKB selbst. Außerdem sei die Bank durch den Beistand der KfW-Gruppe "wirkungsvoll aufgefangen" worden.

An der Börse sind die Ruhe-Appelle noch nicht angekommen. Die Aktie der IKB hat ihre rasante Talfahrt heute fortgesetzt. Das im MDax notierte Papier brach in der Spitze um mehr als 40 Prozent ein und beendete den Handel mit einem Minus von 28,35 Prozent.

Das wegen seiner riskanten US-Immobiliengeschäfte in die Schieflage geratene Institut hat damit binnen einer Woche fast eine Milliarde seines Börsenwerts verloren. Händler rechneten nicht mehr damit, dass die IKB in den kommenden Jahren Gewinne erwirtschaften kann.

Der Chef der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio, hatte am Wochenende vor der schwersten Bankenkrise seit 1931 gewarnt, sollte das Institut zusammenbrechen.

Die staatliche KfW-Bankengruppe teilte mit, sie übernehme bis zu eine weitere Milliarde Euro möglicher Verluste bei der IKB. Zuvor hatte die KfW bereits eine Liquiditätslinie in Höhe von 8,1 Milliarden Euro übernommen. Das maximale Verlustrisiko laut KfW liegt bei 3,5 Milliarden Euro. Von dieser Summe werde die KfW 70 Prozent abdecken, sagte eine KfW-Sprecherin. Den Rest teilen sich die Privatbanken und öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute.

Finanzkreise: Das Ausmaß der Spekulation war noch größer

Die zur Verfügung gestellten Garantien decken Finanzkreisen zufolge aber nur ein Fünftel des spekulativen Engagements der IKB im US-Hypothekenmarkt ab. Demzufolge wäre die IKB mit rund 17,5 Milliarden Euro im Markt für zweitklassige US-Hypotheken engagiert. Noch ist unklar, wie viel die Mittelstandsbank am Ende tatsächlich zu schultern hat.

Die 3,5 Milliarden Euro seien ein hypothetischer Wert, der bei der Abwicklung des US-Engagements entstehen könnte, hieß es in Finanzkreisen. Davon entfällt eine Milliarde Euro auf risikobehaftete Positionen in der IKB-Bilanz. Der Rest sind Risiken aus dem betroffenen Fonds "Rhineland Funding", der sich in den USA mit zweitklassigen Immobiliendarlehen verspekuliert hat.

In den Finanzkreisen hieß es, die IKB solle ihre spekulativen Investments abbauen und sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Eigentlich auf die Finanzierung deutscher Mittelständler spezialisiert, betreut sie seit sechs Jahren den US-Fonds "Rhineland Funding". Weil sich in den USA seit geraumer Zeit Kreditausfälle häufen, wurden Investoren nervös, der Fonds konnte seine Refinanzierung nicht mehr gewährleisten.

Auslöser der von IKB, KfW, dem Bundesfinanzministerium sowie Banken- und Verbandsvertretern vereinbarten Rettungsaktion war Finanzkreisen zufolge die Deutsche Bank . Diese habe die Risiken bei der IKB erkannt und eine Kreditlinie gekündigt, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters. "Allerdings ist der Deutschen Bank eher zu danken. Dadurch wurden die Probleme erkannt und es konnte schnell gehandelt werden", fügte er hinzu.

Neuer Chefaufseher

Einem Bericht der "Welt" zufolge werden aus dem Aufsichtsrat der IKB schwere Vorwürfe gegen das Management laut. Der infolge der Schieflage abgetretene IKB-Chef Stefan Ortseifen habe noch kurz vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung nicht über die Probleme informiert. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete vorab, der IKB-Aufsichtsrat und die KfW prüften, ob strafrechtlich gegen den Vorstand ermittelt werden müssen. IKB und KfW kommentierten das nicht.

WAS MACHT DIE IKB?

Die IKB Deutsche Industriebank AG versteht sich nicht als Universalbank, sondern als Spezialinstitut für langfristige Unternehmensfinanzierung. Im Geschäftsjahr 2006/2007 erzielte das im MDax notierte Institut einen Konzernjahresüberschuss von 180 Millionen Euro. Die Bilanzsumme stieg um 7,8 Milliarden auf 52,1 Milliarden Euro. Zu den Kunden der Bank - deren größter Einzelaktionär die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist - zählen laut Angaben der IKB auf ihren Internetseiten vornehmlich mittelständische Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe. Außerdem richte sich das Angebot der Bank an "junge innovative Firmen, an gewerbliche Immobilien- Investoren und an kommunalnahe Unternehmen". Für die IKB arbeiteten zum 31. März dieses Jahres 1838 Mitarbeiter an 12 nationalen und internationalen Standorten.

Börsianer kritisierten die schleppende Informationspolitik der Düsseldorfer Bank. "Das liegt jenseits meiner Vorstellungskraft, diesen Umfang hat wohl auch niemand erwartet", sagte ein Händler. LBBW-Analyst Olaf Kayser monierte: "Die Informationen seitens der IKB tendieren gegen Null." Nun stelle sich die Frage einer Kapitalerhöhung.

Finanzkreisen zufolge soll die IKB einen neuen Aufsichtsratschef bekommen. Der bisherige Amtsinhaber, Ex-E.on-Chef Ulrich Hartmann, werde seinen Posten abgeben, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person laut Reuters. Nachfolger werde sein Stellvertreter und KfW-Vorstandsmitglied Detlef Leinberger. IKB und KfW wollten sich dazu offiziell nicht äußern.

Die IKB teilte unterdessen mit, den Geschäftsführer der IKB Credit Asset Management GmbH, Winfried Reinke, entlassen zu haben. Zudem verschob sie die für den 30. August vorgesehene Hauptversammlung in das vierte Quartal. Der Vorstand habe die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC mit einer Sonderprüfung beauftragt.

itz/Reuters/dpa/dpa-AFX